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Dürre in den Rheinauen

15.8. (1/2): Vor knapp zwei Wochen war mal wieder Flohmarkt in den Rheinauen, aber darum geht es nicht in diesem Eintrag. Heute möchte ich Bilder von den Rheinauen und dem Fluss, der ihnen den Namen gibt, zeigen. Fotos von etwas, das man eigentlich nur noch als ausgemachte Dürre bezeichnen kann. Denn so wenig Regen wie in diesem Jahr hatten wir glaube ich noch nie, solange ich mich dran erinnern kann. Ja, die letzten 10, 15 Jahre waren tocken, und 18/19 war so heiß, dass mir die Parkscheibe geschmolzen ist. Aber dieser Sommer wird wahrscheinlich als der in die Geschichte eingehen, wo selbst der letzte Meter Feldweg hätte merken müssen, dass irgendwas nicht stimmt.

Wie immer haben wir auf der anderen Seite des Rheins geparkt, denn jeder Gang macht schlank und hier gibt es außerdem die besseren Parkplätze. Sobald man aber in den Park kommt, sieht man: Rasen? Gibt es eigentlich keinen mehr. Die Bäume lassen alle die Blätter hängen. Einige sind zwar noch grün, aber manche haben einfach aufgegeben und werfen wie im Herbst das Laub weg, um nicht zu verdursten.


Ich weiß auch nicht, was die Gänse noch an Futter finden, die hier an den Resten von Grünzeug nagen. Sowieso: Viele Graugänse gesehen, die scheinen ortsfester zu sein. Kanada- und Nilgänse habe ich, wenn überhaupt, nur im Vorbeiflug gesehen. Die scheinen sich kühlere Gegenden gesucht zu haben.

Wenn man dann von der Brücke runter in den Fluss guckt, glaubt man fast, überall den Grund sehen zu können. Ist natürlich nicht so, die Fahrrinne ist dann ja doch recht tief. Ich weiß auch nicht, was das bringen soll, dass die die Rinne jetzt noch tiefer ausbaggern wollen: Dann läuft das Wasser doch nur noch schneller ab, oder sehe ich das irgendwie falsch? An den Ufern bleibt dann gar nichts mehr übrig und das Gemüse geht endgültig ein. Ich gehe ja mal davon aus, dass dieses Jahr uns vielleicht heute noch als Ausnahme erscheinen mag, aber in Zukunft wird das ja wohl mehr und mehr so werden. Und was machen die Kormorane dann, wenn der Rhein im Sommer zum Wadi wird?


Wie es in den eigentlichen (linksrheinischen) Rheinauen ausgesehen hat, könnt ihr im "erweiterten Eintrag" anschauen. Wir sind zwischendurch vom Flohmarkt mal runter ans Ufer gegangen und haben es fast nicht wieder gefunden, weil das so 20, 30 Meter in den Fluss rein verschoben ist. Da haben sich ganze Biotope zwischen den Steinen gebildet. Aber seht selbst: KLICK!
Wenn man auf der Südbrücke unterwegs ist, hat man ja den Vorteil, dass man auf Höhe der Baumkronen wieder an Land kommt. Da kann man sehen, wie die unerbittliche Sonne der letzten Monate die Bäume geschädigt hat. Von unten sehen die meisten ja noch irgendwie grün aus, aber bei direkter Betrachtung: Alles auf dem Weg über gelb zu braun. Selbst die "Nasen" von diesem Jahr sind schon alle vertrocknet.


Wie gesagt, irgendwann sind wir dann runter an den Fluss und haben mal reinschauen wollen, aber der war noch ein paar Meter weiter als erwartet. Auf den Fotos sieht das tatsächlich noch ein bisschen dramatischer aus als im Real Life. Man hat fast den Eindruck, dass da unten nur noch so ein kleines Rinnsal vor sich hin dümpelt, wo die Sportruderer und hin und wieder mal ein Frachtschiff unter der Brücke durch fahren. Und es kommen alle möglichen Sachen zu Vorschein: Socken und Glasscherben. Beide aber glaube ich eher neueren Datums. Wer wirft hier eigentlich mit Bierflaschen rum? Muss das sein? Da latscht doch nur wieder wer rein... Aber, wie im Großen, so im Kleinen: Menschen versauen einfach alles.


Apropos Schifffahrt: Dass die noch nicht komplett eingestellt war, grenzte ja schon an ein Wunder. Aber wie man sehen kann, viel Ladung haben die nicht mehr. Ich nehme an, die fahren auch nur noch da hin, wo es einfach gar nicht anders möglich ist, wo man mit LKW und Zug nicht hin kommt, weil man direkt am Fluss liegt. So viele LKW gibt es ja gar nicht und die Bahn hat schon alte Schüttgutwagons aus der Reserve geholt, die seit Jahren nicht benutzt worden sind. Was wir hier in Farbe und in Bunt sehen, ist nichts anderes, als der Zusammenbruch einer Infrastruktur, die seit den Römern existiert hat und wahrscheinlich noch davor, nur haben wir da keine Aufzeichnungen darüber. Das kann man nicht mal eben so ersetzen.


Und dann sind da diese Wasseraus- bzw -einlässe, die plötzlich auftauchen. Mitten am riesigen Kiesstrand plötzlich eine gluggerne Quelle. Ich nehme an, hier wird das Wasser aus den Rheinauenteichen verklappt? Oder irgendwelches Kühlwasser? (Auf der anderen Seite müssen ja wohl die Auslässe von der Telekom-Klimaanlage aufgetaucht sein.) Jedenfalls ist diese Stelle normalerweise selbst in einem normalen Sommer so ein, zwei Meter unter Wasser. Das sieht man normalerweise nicht. Hier schwimmen sonst Enten!


Da wir ja mit dem Flohmark noch nicht fertig waren, haben wir uns dann irgendwann mal wieder auf den Rückweg machen müssen, aber nicht ohne noch einen Blick zurück zu werfen. Da kamen die beiden Kanadagänse durch, die ich oben schon erwähnt habe. Keine Ahnung, wo die sich alle hin verzogen haben, hier fliegen ja sonst Massenweise davon rum und sitzen auf den Teichen. Vielleicht alle zurück nach Kanada, aber da war es ja wohl auch so trocken, dass der Wald gebrannt hat. (Nebenbei, das war, als der Hürtgenwald und das Hohe Venn gebrannt haben und es lag immer mal wieder, je nach aktueller Windrichtung ein definitiver Rauchgeruch in der Luft.) Vielleicht sind die auch weiter nach Norden und nach Osten ausgewichen, da war es ja nicht ganz so brutal heiß und trocken.


Auf dem Rückweg hatte man dann jedenfalls die ganze Zeit die vertrockneten Wiesen im Blickfeld, immer unterbrochen von ein paar Oasen, in denen gegossen worden war. So auch hier, wo die gelben Blumen standen. Aber ansonsten: Irgendwo zwischen Steppe und Wüste. Viehzeugs könnte man hier jedenfalls nicht grasen lassen. Und das ist das ja gerade: Das sieht jetzt hier besonders trostlos aus, weil es eine Parkanlage ist, aber auf den Wiesen und Feldern rundum ist es ja nicht wirklich besser. Da stehen auch die Kühe und müssen jetzt schon das Heu aus dem Frühjahr fressen oder eben vertrocknete Grashalme, was halt noch so rum steht. Frisches Grün ist Mangelware. Und von den vielen verkümmerten Getreidehalmen, die viel zu früh von den Feldern runter mussten, und dem eher unterdurchschnittlichen Futtermais reden wir da noch gar nicht. Wird ein harter Winter. Kann schon verstehen, dass die Bauern nach Hilfe schreien. Nicht, dass die nicht Teil des Problems wären, aber es ist schon schwierig, das mit anzusehen.


So, aber genug gekümt. Im nächsten Eintrag geht es draum, was ich auf dem Flohmarkt noch so alles gefunden habe. Keine Angst, ich habe tatsächlich nichts mit nach Hause gebracht. War alles irgendwie nicht so berauschend. Liegt wahrscheinlich an den Ferien, war recht wenig los. Also, Menschenmengen waren genug da, aber Aussteller halt nicht.

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