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Bauhn Vintage Digital Camera - China-Spielzeug vom Discounter

Gehste zum Aldi, findeste da so ne kleine Digitalknipse, biste hin und her gerissen: Einerseits, was kann man für 29,99 falsch machen? Andererseits, was kann man von einem 12MP-Sensor aus der Digitalsteinzeit und einer Festfokus-Plastiklinse erwarten?

Vorweg erst mal: Das wird hier kein Review, denn ich habe mir die 30 Euro gespart. Nicht, dass mich das allgemeine Design und die Idee nicht ansprechen würde - ist halt das Temu-Wish-Konzept einer X100 (und überhaupt nicht damit zu vergleichen) -, aber ich hab halt genug "echte" Kameras und kein Influencer-Einkommen, zudem würde ich mich darüber hinaus von der absoluten Unbeeinflussbarkeit des Ergebnisses (bis auf die beworbenen acht Filter) etwas unterfordert fühlen. Das heißt aber nicht, dass es nicht tatsächlich eine Zielgruppe gibt. Da sind zum einen die Kinder, die noch nie in ihrem Leben eine "Kamera" im Sinne von "eigenständiges Gerät, das nur Bilder macht" gesehen, geschweige denn in den Händen gehalten haben. Wenn nur 1 von 100 Spaß an diesem Ding hätte und darüber zur Fotografie käme, finde ich, hat sich das Konzept schon gelohnt. Ich mein, meine allerersten Foto-Erfahrungen hatte ich mit einer dieser Ratsch-Ratsch-Knipsen mit ähnlicher Auflösung (110 Film-Kassetten) und Linse (Plastik-Festfokus). Und schaut mal, was ich heute mache, wenn auch nur als ambitioniertes Hobby.


Und dann sind da die Leute, die so alt sind wie ich und tatsächlich noch diese letzte Generation von Film-Knipsen mit ihrer fragwürdigen Qualität mitbekommen haben und da ein gewisses Nostalgie-Gefühl mit verbinden. Denen möchte ich die Sache auch nicht vermiesen. Gerade mit irgendwelchen Filterchen kann man durchaus mal experimentieren und ich mein, die heutigen Handyfotos mit ihrem überschärften, totgesättigten, KI-gepimpten Allerwelts-Look hängen einem ja auch wirklich zum Hals raus!

Da kommen wir dann aber auch endlich zum "Aber" an der Geschichte: Da heutzutage jeder eine, zwei oder gar bis zu fünf Kamerasensoren in ihrer Hosentasche haben, sehe ich persönlich nicht direkt das Anwendungsszenario. Ja, gut, eine dedizierte Kamera macht immer ein anderes Fotogefühl, insbesondere sowas rudimentäres mit Sucher und ohne Bildschirm. Mich spricht das grundsätzlich ja auch an. Aber: Man kann halt auch einfach das Handy nehmen. Da aber von all den Kameras, die letzte Woche in den Aldi geschleppt wurden, gestern nur noch dieses eine Exemplar mit bereits aufgerissener Verpackung übrig war: Die scheinen da erfolgreich einen Nerv getroffen zu haben! Selbst da draußen auf dem eher wenig technik-affinen Dorf mit hauptsächlich Rentnern und Elternzeit-Einkäufern scheint das Ding ausverkauft zu sein. Im Gegenteil: Bei Kleinanzeigen versucht sogar ein Scalper, das Ding für 59,- zu verscherbeln, also mal eben doppelt so teuer! Das hat zuletzt die PlayStation geschafft! :-D

Leider habe ich im gesamten Internet keine Beispiel-Bilder gefunden, die mir mal die tatsächliche Bildqualität demonstrieren würde. Insofern ärgere ich mich schon ein bisschen, das ich dieses Exemplar nicht mitgenommen habe. Aber dann liegt das hier rum und keiner benutzt es, daher, nur noch mehr Elektroschrott. ;-) (Bei YouTube gibt es aber zumindest ein als Werbung markiertes Video, das sich mit dem Ding beschäftigt. Gelber VW-Bus, sag ich nur.)

Was mich aber noch ein bisschen wurmt: Man kann scheinbar die Bilder direkt aufs Smartphone kopieren, wenn man es per USB anschließt. Dann hätten sie aber ein USB-C-to-C-Kabel dazu legen sollen, kein C-to-A. Oder zumindest einen OTG-Adaper? Kostet doch sicher auch nix mehr. Na gut, immerhin ist überhaupt ein Kabel dabei. Ein Netzteil übrigens nicht, aber da haben wir ja alle mittlerweile genug von zu Hause rum fliegen, oder? Und dass in der Anleitung [Vorderseite, Rückseite] nun wirklich überhaupt gar nichts zu den technischen Daten wie Minimalabstand, Objektivbrennweite und Blitzreichweite steht, ist schon ein bisschen armselig. Das würde jetzt nicht nur Fotoprofis interessieren, sondern ist einfach integraler Bestandteil eines Handbuchs!

So, und am Ende noch mal ganz deutlich: Ich will hier keine Werbung für das Teil machen. Ich finde es eben einfach nur spannend, dass so ein Gerät scheinbar bei der Kundschaft offene Türen einrennt. Würde ich es kaufen: Nein. Siehe oben, hab ich auch nicht. Würde ich persönlich auch wirklich nur dem einsteigerichsten aller Einsteiger empfehlen. Aber: Gibt es scheinbar eine oder gleich mehrere Zielgruppen dafür? Scheinbar schon. Und wer bin ich dann, da schlechte Laune zu verbreiten?! ;-)

Asahi Pentax K1000 mit SMC Pentax-M 1:2 50mm

19.9.: Na, was hab ich denn da vom Flohmarkt mit nach Hause gebracht? Eine Asahi Pentax K1000. Die habe ich mit einem Pentax-M 50mm 1:2 in einer Wühlkliste gefunden, in einem Kunstleder-Umhängekoffer mit einem Vivitar 135er, das ich aber gesondert vorstellen werde. Frag ihn so, was er denn dafür haben will. "Ja, keine Ahnung." Sag ich: "Ich hab leider gerade keine Ahung vom Kurs und wenn ich jetzt 10 Euro sage, verhauen sie mich!" - "Ja, nein, also 20 sollten es schon sein!" Und so habe ich die Kamera und alles Zubehör für 20 Euro mit genommen und habe dann zu Hause ein schlechtes Gewissen entwickelt, als ich raus gefunden habe, was die tatsächlich wert ist! (Das Zehnfache! Sorry! Wenn Sie das lesen, Herr Verkäufer: Ich wollte Sie nicht über's Ohr hauen, ehrlich!)


Wie immer sehen wir hier die Kamera als erstes Mal im Fundzustand. Sie ist von außen doch etwas schmutzig. Nicht so schlimm wie so manches andere, was ich schon vom Flohmarkt mitgenommen habe. Das Köfferchen scheint tatsächlich geholfen zu haben, den gröbsten Dreck fernzuhalten. Hauptsächlich Fingerschweißdreck, der sich leicht abwischen ließ. Spiegel und Linsen sind klar und selbst die Lichtdichtungen, wenn auch nicht mehr ganz frisch, sind noch dicht - wie ich bei meinen Tests bereits feststellen konnte. Der Spiegelanschlag könnte mal ein neues Schwämmchen vertragen, aber selbst der hat noch immer seine grundlegende Funktion beibehalten.

Warum kostet die Kamera bei ehBlöd so viel? Kann eigentlich nur daran liegen, dass es eben so ein ikonisches Gerät ist. Können kann sie nämlich nicht wirklich viel: Sie hat eine Belichtungsmessernadel im Sucher, die Zeit geht bis 1/1000s, was bei Tuchverschlüssen ja scheinbar das Maximum ist. Zumindest ist mir noch kein schnellerer unter gekommen. Und das wars. Keine Automatik, nicht mal semi. Einfach nur: Blende einstellen, Zeit dazu, aufziehen und abdrücken. Kein Schärfetiefen-Button, nicht mal ein Schnittbildsucher, sondern nur Mikroprismen. Sowas von rudimentär. Und selten ist sie auch nicht: Zwischen 1977 und 1998 wurden irgendwie sowas kurz unter 4 Mio von den Teilen gebaut. Das einzige, was diese hier besonders macht: Sie hat noch das Asahi-Branding, ist somit definitiv noch aus Japan und aus den 1970ern. Das 50/2 ist wohl etwas neuer, wenn ich der KI glauben darf, also aus den frühen '80ern. Wahrscheinlich wurde ein älterer Body hier mit einer neueren Festbrennweite gebundelt.


Leider steht auf der ebenfalls enthaltenen Dokumentation kein Datum! Das wäre jetzt echt noch das Sahnehäubchen gewesen. Aber eine originale Garantiekarte vom Kaufhof ist trotzdem spannend! Mit dazu gab es auch noch einen no-name-Drittanbieter-Blitz, der aber leider nur noch pfeift, aber nicht mehr voll lädt. Der Kondensator ist scheinbar ein bisschen durch.


Und dann hab ich mal das 50er auf die Adapter geschraubt und siehe da, das macht richtig nette Bilder. Ich mein, ich hätte auch nichts anderes erwartet. Ja, das 50/2 ist jetzt nicht das teuerste Objektiv, das man mit dieser Kamera paaren kann, aber doch schon sehr passend zum Alter. Und ich denke ja auch tatsächlich, dass diese Kombination so gekauft wurde, irgendwann am Anfang der 1980er. Hübsches Bokeh, nette Kontraste, durchweg brauchbar.


Da findet selbst der Kater, dass ich ein tolles Schnäppchen geschnappt habe! Und wie gesagt, das war nicht mal meine Absicht! Sorry! ;-) (Der Grund, dass die eigentlich so teuer verkauft wird, ist wahrscheinlich, dass sie noch das Asahi-Branding hat, damit eindeutig noch aus Japan stammt, was scheinbar auch die höhere Qualität erklärt. Als die Produktion nach Hongkong und später ins eigentliche China verlagert wurde, sind wohl einige Kostensparmaßnahmen umgesetzt worden, die zwar nicht grundsätzlich für ein schlechtes Produkt gesorgt haben, aber halt auch nicht unbedingt ein besseres. Der Grund, weshalb die sie so smooth anfühlt, wird wohl sein, dass hier noch Messing verbaut wurde, kein Plastik. Also, jedenfalls sagt das das Internet, aber das lügt mich im Zeitalter der KI-Halluzinationen ja auch nur noch an...)